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Zwei Jahre für ein Verschleißteil

Autorenbild: Stern Technic GmbH
Stern Technic GmbH
11. Aug.
4 Min. Lesezeit

Warum Hardwareentwicklung so lange dauert und warum das kein Fehler im System ist

Es gibt eine Frage, die ich seit drei Jahren in unterschiedlichen Tonlagen höre. Freundlich, ungeduldig, manchmal mitleidig. Sie lautet: Aber wann verkaufst du denn endlich etwas?

Die Frage ist berechtigt. Sie ist nur unvollständig.

Denn sie unterstellt, dass Verkaufen der schwierige Teil ist und alles davor eine Art Vorbereitung. Bei Software mag das stimmen. Bei Hardware ist es genau andersherum.


Ein Bauteil, das nach nichts aussieht

Vorne an unserem Bohrroboter sitzt ein induktiver Sensor. Auf einem Foto ist er kaum zu erkennen ein Stück Technik in einer Bohrkrone, unscheinbar, ein paar Zentimeter groß.

Seine Aufgabe: Blindgänger erkennen. Metall im Boden, bevor die Maschine darauf trifft.

In der Kalkulation steht dafür eine Zeile. In meinem Leben stehen dafür zwei Jahre.

Warum dieser Sensor überhaupt sein muss: Wer in Deutschland bohrt, bohrt oft in Boden mit Vergangenheit. Alte Industrieareale, in denen über Jahrzehnte Leitungen, Fundamentreste und Tankanlagen verschwunden sind, ohne dass es dafür einen belastbaren Plan gäbe. Konversionsflächen. Kontaminierte Schichten. Und in weiten Teilen des Landes eben auch Kampfmittel, die seit achtzig Jahren im Boden liegen und auf keiner Karte stehen.

Für einen Bohrroboter, der ohne Sichtkontakt in den Untergrund geht, ist das keine Randbedingung, sondern die Kernanforderung. Humanitäres Minenräumen wäre technisch die logische Fortsetzung es ist nur nicht der Markt, auf den wir das Produkt ausrichten. Unser Markt ist der Leitungsbau. Der Sensor ist die Voraussetzung dafür, dass man dort überhaupt automatisiert arbeiten darf.


Derselbe Sensor, zweite Aufgabe

Es gibt noch einen Grund, warum dieser Sensor sitzt, wo er sitzt: Er erkennt die Zielgrube und schaltet die Maschine ab.

Das klingt nach einer Kleinigkeit. Es ist der eigentliche Unterschied zwischen ferngesteuerter Technik und einem autonomen System.

Bei konventioneller Kleinbohrtechnik steht am Ende der Bohrung jemand an der Zielgrube und passt auf, wann die Krone durchkommt. Eine Person, eine ganze Bohrung lang, für einen Moment, der irgendwann eintritt. Das ist teure Zeit und je nach Grube auch keine besonders angenehme Position.

BOB hat seine Spur, verfolgt sie autonom, erkennt das Ziel und hält an. Ohne dass jemand danebensteht.

Genau da entsteht der wirtschaftliche Nutzen: nicht daraus, dass die Maschine bohren kann, sondern daraus, dass sie es allein zu Ende bringt.

Das ist kein Vorwurf und keine Klage. Es ist einfach die ehrliche Beschreibung dessen, was passiert, wenn man ein Bauteil entwickelt, das mehrere Dinge gleichzeitig können muss, die sich gegenseitig im Weg stehen.


Die Physik, die niemand auf dem Zettel hat

Der Sensor sitzt nicht irgendwo. Er sitzt in einer beheizten Bohrkrone.

Die erste Reaktion darauf ist fast immer dieselbe: Ach, ihr schmelzt euch durch den Boden?

Nein. Die Heizung ist nicht zum Schmelzen da. Sie ist zum Trocknen da.

Die Kette dahinter ist simpel, wenn man sie einmal gesehen hat:

Feuchter Boden klebt. Klebender Boden setzt die Förderwendel zu. Eine zugesetzte Helix hat keinen Vortrieb mehr. Und eine Maschine ohne Vortrieb ist ein sehr teurer Erdanker.

Also: erst trocknen, dann fördern.

Klingt nach einer Zeile. Ist in Wirklichkeit ein Zielkonflikt, der sich über Monate zieht. Die Heizung braucht Energie und Bauraum. Der Sensor braucht ein sauberes elektromagnetisches Umfeld und eine Heizung direkt daneben ist ungefähr das Gegenteil davon. Beides sitzt an der Stelle der Maschine, die am stärksten belastet wird, am schwersten zugänglich ist und am ehesten kaputtgeht.

Jede Lösung für ein Problem war eine Verschlechterung für das andere. Zwei Jahre lang.


Und dann kommt die Pointe

Diese Bohrkrone ist ein austauschbares Teil.

Nicht mal eben abschraubbar, das nicht. Aber sie ist ein Verschleißteil an der Spitze einer ganzen Maschine. Sie wird irgendwann ersetzt, so wie ein Bohrer, ein Meißel, ein Zahn an einer Baggerschaufel ersetzt wird.

Zwei Jahre Entwicklung für etwas, das im Betrieb planmäßig getauscht wird.

Wer aus der Softwarewelt kommt, findet das absurd. Wer schon mal Hardware gebaut hat, nickt müde. Denn genau da liegt der Unterschied, den die Frage nach dem Verkaufen übersieht:

Software kann man patchen. Ein Werkzeug nicht.

Was einmal in einem Spritzgusswerkzeug steckt, steckt drin. Ein Deploy kostet nichts, ein neues Werkzeug kostet fünfstellig. Ein Bugfix ist über Nacht bei allen Nutzern, ein Konstruktionsfehler ist bei jeder ausgelieferten Maschine im Feld und muss dort einzeln repariert werden, mit Anfahrt, Ersatzteil und Stillstand beim Kunden.

Deshalb dauert es. Nicht weil wir langsam sind. Sondern weil jedes Detail einmal richtig sein muss, für die nächsten zehn Jahre.


Was gerade unter unseren Füßen passiert

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum diese Zeit nicht verlorene Zeit ist. Und der beschäftigt mich derzeit mehr als jeder Liefertermin.

Wir bauen eine Technik, die den Boden trocknet, während draußen der Boden von selbst zu Staub wird.

Die Dürre der letzten Jahre ist für uns kein Wetterthema, sondern ein Konstruktionsthema. Trockener Boden verhält sich anders als feuchter. Andere Reibung. Andere Standfestigkeit der Bohrung. Anderes Verhalten beim Vortrieb. Sand, der vorher als bindiger Boden durchging, rieselt heute nach.

Wer heute Bodentechnik auslegt, legt sie für Bedingungen aus, die es beim Markteintritt so möglicherweise nicht mehr gibt. Das ist kein theoretisches Risiko. Das ist der Grund, warum unsere Bohrkrone einen Heizkreis hat, der sich regeln lässt, statt einfach nur an und aus zu können.

Genau solche Entscheidungen sieht von außen niemand. Sie tauchen in keiner Produktbroschüre auf. Sie entscheiden aber darüber, ob eine Maschine in fünf Jahren noch funktioniert oder ob sie für eine Welt gebaut wurde, die es nicht mehr gibt.


Warum wir trotzdem über das Verkaufen reden müssen

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Verkaufen ist wichtig. Ohne Umsatz gibt es keine zweite Maschinengeneration, keine Serie, kein Unternehmen. Wer Entwicklung romantisiert und Vertrieb geringschätzt, baut sehr schöne Prototypen und geht sehr zuverlässig pleite.

Aber Verkaufen ist eben ein Teil des Gesamtprozesses. Nicht der Prozess.

Der andere Teil sind die Jahre, in denen niemand etwas sieht. In denen man Lieferanten verliert, Bauteile abgekündigt werden, ein Prototyp im Test auseinanderfällt und man mit einer Erkenntnis nach Hause fährt, die einen drei Monate zurückwirft.

Diese Jahre stehen in keiner Bilanz. Sie stehen im Produkt.


Wenn Sie es selbst sehen wollen

Auf der GaLaBau 2026 in Nürnberg steht BOB am Stand und dreht. Nicht als Rendering, nicht als Video als Maschine, an die man rangehen und die man anfassen kann.

15. bis 18. September 2026, Messezentrum Nürnberg, Halle 3C, Stand 3C-415b.

Wir haben ein Kontingent kostenfreier Tageskarten.


Den Link dazu:


Bringen Sie gern Ihren konkreten Einsatzfall mit Bodenverhältnisse, Leitungsquerschnitte, Zugangssituation. Darüber reden wir lieber als über Datenblätter.

Bis in Nürnberg.


Nicolai Stern Geschäftsführer, Stern Technic GmbH

Stern Technic entwickelt autonome Kleinbohrtechnik für den grabenlosen Leitungsbau. Kein Graben, kein Blindflug. Mehr unter sterntechnic.com.


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